Die 12. Klasse der Freien Waldorfschule Benefeld bringt Thornton Wilders Kritik an der Menschheit auf die Bühne
Die Nachrichten sind schlecht, das Klima wird rauer, die Wirtschaft kippt, der Egoismus wächst, trotz dessen Gleichberechtigung gefordert wird und auch die Naturgewalten werden immer unvorhersehbarer. Was hier sehr aktuell klingt, ist eigentlich Inhalt des erstmal 1942 aufgeführten Theaterstücks „Wir sind noch einmal davongekommen“, von Thornton Wilder.
Gerade deshalb hatte sich die 12. Klasse der Freien Waldorfschule Benefeld für die Inszenierung dieses Stücks entschieden. Es befasst sich nämlich genau damit mit dieser Thematik: Dass der Mensch immer wieder die gleichen Entwicklungen durchmacht. Auf Zeiten des Wohlstands folgen Zeiten der Aggression, der Armut und der Erschütterung. Wenn Egoismus und Machthunger zu sehr wachsen, hilft nur die nächste Katastrophe, um sich wieder auf die wesentlichen Werte zu konzentrieren. Geht es dem Menschen zu gut, wird er übermütig und zeitgleich möchte er immer schlauer werden, verfolgt Forschung und Wissenschaft, um letztendlich doch das Rad immer wieder neu zu erfinden und doch in alte Muster zu verfallen.
Seit dem Sommer probte die 12. Klasse das Stück in intensiver Zusammenarbeit mit der Theaterpädagogin und Regisseurin Undine Zinke. Man entwickelte ein Bühnenbild, das durch technische Elemente und nachrichtenartige Einspieler verdeutlichte, wie nah das Erzählte der heutigen Zeit kommt. Fokus der komplexen und teilweise satirisch-komisch dargestellten Geschichte, war die Familie Antrobus, die seit Tausenden von Jahren immer wieder den verschiedensten Katastrophen entkommt und sich mit reichlich Privilegien als das Höchste der Säugetiere versteht.
Mit viel Humor, Tiefgang und großem schauspielerischem Talent zeigten die Schülerinnen und Schüler am Freitag, 18. September und Samstag, 19. September 2026 die Abgründe und Hoffnungen des Menschen in vielen bunten Facetten im Festsaal der Freien Waldorfschule Benefeld. Eine beeindruckende Leistung, die der Klasse durch das begeisterte Publikum Spendeneinnahmen für ihre anstehende Kunstreise einbrachte.
Text: Annalena Horl
Bilder: Juliane Czysty